Pilzkochbücher hatten zuerst eine ganz bestimmte Aufgabe: Sie sollten die
Bevölkerung vor Vergiftungen bewahren. Noch kurz vor dem Ersten Weltkrieg
wird vor “Vergiftungswellen” gewarnt und auf Pilzberatungsstellen
hingewiesen. Auch allgemeine Kochbücher hatten oft eine farbige Pilztafel.
Dann kam auch schon die zweite Aufgabe des Pilzkochbuches - genau wie
“Wildkräuter” und “Wildgemüse”-Ratgeber dienten diese in Krisenzeiten als
zusätzliche und vor allem markenfreie Sättigungsquelle. Damals war nicht
bekannt, dass Pilze nur sehr wenig Energie liefern (zwischen fünf und
zwanzig Kilokalorien pro hundert Gramm, das ist weniger als das meiste
Gemüse, von Gurken und Radieschen mal abgesehen), man schickte die
Bevölkerung für “markenfreie Kalorien” in den Wald. Aus heutiger Sicht kann
man zumindest die Abwechslung von der Löwenzahn- und Wildspinatsuppe
gutheißen.